Christian Straube

In meinem Promotionsprojekt wollte ich die sozio-kulturellen Begegnungen zwischen Chinesen und Sambiern im Kontext der sambischen Kupferbergbauindustrie erforschen. Zugangsprobleme machten es unmöglich diese Begegnungen vor Ort zu untersuchen. Ursprünglich sollte meine ethnografische Feldforschung in einer der beiden von China Nonferrous Metal Mining (Group) Corporation (CNMC) betriebenen Kupferminen in Chambishi oder Luanshya stattfinden. Während ich Luanshya als Ort chinesischer Auslandsinvestitionen wahrgenommen hatte, wandelte sich meine Perspektive. Ich lernte die Stadt mit ihrer langen Kolonial- und Industriegeschichte neu kennen. Ich beschäftigte mich mit den vorindustriellen Einwohnern des Kupfergürtels, den Lamba, und studierte wie deren Land mit Hilfe von Verträgen durch die British South Africa Company (BSAC) vereinnahmt wurde. Die Landschaft, in der die Lamba wohnten, wurde in einen Abbauraum im Dienste des industriellen Kupferabbaus umgestaltet.

Neben den Orten des Abbaus errichteten die Bergbauunternehmen ganze Sets neuer Infrastruktur, von Straßen und Gleisen bis zu Wohnhäusern und Sozialeinrichtungen. Am Beispiel der Township Mpatamatu in Luanshya untersuchte ich wie eine dieser zahlreichen Unternehmenssiedlungen Ende der 1950er-Jahre durch Roan Antelope Copper Mines (RACM) errichtet wurde. Ich verfolgte Mpatamatu's Ausdehnung und Entwicklung unter den Staatsunternehmen Roan Consolidated Mines (RCM) und Zambia Consolidated Copper Mines (ZCCM) bis zur Reprivatisierung des Kupfersektors Ende der 1990er-Jahre. Mein Fokus richtete sich auf die durch die Mine gebauten und betriebenen Sozialeinrichtungen der Township: Bars, Clubs, Kliniken, Gemeindezentren und Sporteinrichtungen. Nach der Privatisierung von ZCCM wurden diese Gebäude nicht von den privaten Nachfolgeunternehmen übernommen. Sie wurden verlassen und somit zu Überbleibseln der Mine in einer kommunalen Township.

Konzeptioneller Ausgangspunkt für mich um über die ehemaligen Sozialeinrichtungen zu reflektieren ist Ann Laura Stolers Konzept „ruination“. Verlassene materielle Orte waren keinenfalls inaktive Ruinen. Vielmehr wurden sie zu Orten des Zerfalls, sowohl materiell als auch sozial. Gleichzeitig brachten sie Impulse für neue menschliche Handlungsweisen zu Tage. Diese kreativen Einmischungen zwischen post-kolonialem und post-kapitalistischem Zerfall versuchte ich zu begreifen und zu verstehen. Im Kern lag ein Wechselspiel aus sozialem Wandel, materieller Langlebigkeit und Veränderung sowie neu strukturierten Machthierarchien.

Meine Methodologie, d.h. wie ich meine durch ethnografische Feldforschung erarbeiteten Daten reflektiere, basiert auf dem theoretischen Ansatz des reflexiven Modus der Wissenschaft von Michael Burawoy. Ursprung meiner Feldforschung ist meine Einmischung in ein bestimmtes Feld, das Leben von dessen Einwohnern und deren Geschichte. Im Kontext des post-kolonialen Sambias war es nie möglich mich als Person, d.h. einen vergleichsweise wohlhabenden Europäer, vom Prozess der Datenerhebung zu isolieren. Ich versuchte jedoch die Störsignale, die ich als Wissenschaftler mit ins Feld brachte, zu reduzieren. Ich begegnete Menschen in ihrem sozialen Kontext, schuf maximalen Raum für ihre Geschichten und näherte mich dem Feld als Schüler seiner Einwohner und Geschichte.